Einige Anregungen zur Fütterung der Chinchillas
Der natürliche Lebensraum der Chinchillas sind die höhergelegenen Gebiete der südamerikanischen Anden,
woraus sich ein eher karger sowie jahreszeitabhängiger Pflanzenwuchs ergibt.
Neben ihren Futterpflanzen nehmen freilebende Chinchillas aber auch hin und wieder z.B. Kakteenfrüchte einheimischer Pflanzen,
sowie kleinere Insekten zu sich.
Chinchillas bevorzugen in Gefangenschaft meist trockene Futtermittel, aber auch Frischfutter wird nicht grundsätzlich verschmäht.
Die Tiere verfügen über einen sehr feinen Geschmackssinn und freuen sich über ein wenig Abwechslung.
Umso schöner, wenn man dafür gesunde und den Bedürfnissen der Tiere gerechtwerdende Dinge auswählen kann!
Zu Beachten wäre: Nicht jedes Tier mag alles und nicht jedes Tier verträgt auch alles.
Da man die einheimische Pflanzenwelt der Chinchillas eher schwierig nachempfinden kann, haben sich
für eine relativ einfache und konstante Nährstoffversorgung die speziellen Chinchillapellets etabliert,
deren Zusammensetzung sich an den Bedürfnissen der Tiere orientiert.
Empfehlenswerte Marken sind hierzulande beispielsweise Berkel, Ovator, Bavaria oder Velvet SE, meist über den Onlinehandel erhältlich.
Siehe auch hier: FUTTER IM VERGLEICH
Ebenso benötigen Chinchillas hochwertiges Heu, welches ihnen unbegrenzt angeboten werden sollte.
Diese zusätzliche Rohfaserquelle ist sowohl für den Zahnabrieb,
als auch für den geregelten Ablauf der Verdauung dieser Tiere von grosser Bedeutung!
Nähere Infos zum Verdauungstrakt der Chinchillas und seinen Besonderheiten findet Ihr hier: WISSENSWERTES
Es ist stets darauf zu achten, dass das Heu und natürlich auch das restliche Futter weder muffig noch feucht
oder sonstwie verunreinigt ist, denn z.B. schimmliges Heu kann den Tieren tatsächlich lebensgefährlich schaden!
In diesem Punkt darf man getrost "pingelig" sein, es ist berechtigt.
In ihrem natürlichen Lebensraum nehmen die Tiere Wasser hauptsächlich über gewisse Futterpflanzen auf,
oder lecken den Tau von den Pflanzen.
In der Chinchillahaltung hat sich das ständige Anbieten frischen Wassers aus einer Nippeltränke durchgesetzt.
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1.) Basisfutter
Dieses dient einer konstanten Grundversorgung der Tiere mit den für sie wichtigen Nährstoffen.
In den speziellen Chinchillapellets sollten Proteine, Fette, Kohlenhydrate (Zucker), Vitamine, Mineralien
sowie der Rohfasergehalt im richtigen Verhältnis zueinander enthalten sein.
Das Heu dient ebenfalls als wichtige Rohfaserquelle und gleichzeitig als "Beschäftigungsmöglichkeit".
Somit besteht das "BASISFUTTER" der Chinchillas aus:
- hochwertigen Chinchillapellets (i.d.R. 1-2 Esslöffel pro Tier und Tag)
- hochwertigem Heu, z.B. Bergwiesenheu (stets zur freien Verfügung, vollgepinkeltes Heu täglich entfernen!)
- frischem Wasser (Leitungswasser oder stilles Mineralwasser möglich)
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2.) Beifutter
Sinnvolle und gesunde Beigaben zum Basisfutter sollten ebenfalls angeboten werden.
Sie bieten den Tieren eine willkommene Abwechslung und haben zudem einen positiven Einfluss auf die Verdauung
sowie auf die allgemeine Gesundheit der Tiere.
Hier sind sowohl getrocknete als auch frische Varianten von Kräutern, Gemüsen oder Salaten möglich.
Sie sollten allerdings den Bedürfnissen der Tiere entsprechen und auch nicht übermäßig gegeben werden.
Das heisst, dass man Beifutter nicht haufenweise wie Heu anbietet,
sondern als einzelne Stengel/Blätter, als chinhchillapfotengerechte Stückchen oder teelöffelweise!
Nach einer Gewöhnung der Tiere an das entsprechend neue Futter,
kann es mehrmals die Woche oder auch täglich in kleinen Mengen als Ergänzung zum Basisfutter gereicht werden.
Aus Vorsicht verzichten einige Halter lieber gänzlich auf Frischfutter, das steht natürlich jedem frei, allerdings:
nicht übermäßig verabreichtes Frischfutter ist den Tieren nicht prinzipiell gefährlich sondern sogar gesund und
wird schon seit mehreren Jahrzehnten auch von einigen Grosszüchtern angeboten und vertreten, wie die dazu vorhandene Literatur zeigt!
Siehe auch hier: ERNÄHRUNGSDISKUSSION FRISCHFUTTER
Als BEIFUTTER gibt es beispielsweise folgende Auswahlmöglichkeiten:
- frisch: z.B. Löwenzahn, Ruccola, Endivien, Chicoreé oder Möhrengrün
- frische oder getrocknete Gemüsestückchen wie z.B. Karotte, Sellerie oder rote Beete
- frische oder pelletierte Stückchen der Topinamburpflanze
- getrocknete Mariendistel
- getrocknete Rosen - oder Malvenblüten
- Knabberäste z.B. ungespritzter Obstbäume als gesundes Nagematerial
- frische oder getrocknete Kräuter wie z.B.
Melisse, Kamille, Minze, Spitzwegerich, Echinacea, Basilikum, Salbei, Schafgarbe, Löwenzahn oder Petersilie
Bei den sogenannten Heilkräutern wäre Folgendes zu beachten:
Man sollte sich schon darüber informieren, was man seinen Tieren füttert und ob die eventuelle Wirkung sinnvoll für die Gesundheit der Tiere ist.
Bei einer Fütterung von guten Kräutern als Futterergänzung wird man aber i.d.R. nicht von einer "therapeutischen Dosis" sprechen können.
Den o.g. Kräutern/Pflanzen wird z.B. meist eine positive Wirkung auf den Darm und das Immunsystem nachgesagt,
sowie teils eine "harntreibende" Wirkung (Anregung des Nierendurchflusses) oder eine vorteilhafte Wirkung auf Leber/Galle.
Diese Wirkung geht u.a. von den (oft nur zu einem Bruchteil enthaltenen) ätherischen Ölen aus,
welche an sich nichts Schlechtes sind, nur ein "Zuviel" davon muss nicht sein.
Sinnvoll ausgewählt sind diese (Heil-)Pflanzen also eine gesunde Abwechslung und Futterergänzung für Chinchillas.
Von Futtermitteln mit blähender Wirkung wie Hülsenfrüchten (Erbsen, Linsen, Bohnen) oder Kohl sollte abgesehen werden,
ebenso von sehr stärkehaltigen Dingen wie Kartoffeln oder Mais!
Auch besteht bei grösseren Mengen vom z.B. Waschen noch nassem Frischfutter (wie Salate oder Möhrengrün) Kolikgefahr!
Natürlich sind auch giftige Pflanzen wie z.B. Eisenhut, Fingerhut, Tollkirsche oder Efeu nichts für Chinchillas!
Nähere Infos dazu hier: GIFTPFLANZEN
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3.) Leckerbissen
Zuguterletzt möchte man seinen Tieren ja auch mal eine besondere Freude, rein für den Gaumen machen.
Damit wären wir in der Leckerchenabteilung.
Hierzu zählen Dinge, die z.B. von sich aus schon einen recht hohen (Frucht-)Zuckeranteil besitzen
und daher trotz ihres teilweise hohen Vitamingehalts besser selten gefüttert werden sollten.
Die Menge sollte 1-3 Mal pro Woche (je nach z.B. Zuckergehalt) nicht überschreiten und zudem chinchillapfotengerecht
angeboten werden, so wird es sicher nicht zuviel.
Man kann sagen: Weniger ist mehr, aber gar nichts muss auch nicht sein.
Geeignete LECKERBISSEN in chinchillapfotengerechter Grösse können sein:
- stückchenweise angeboten getrocknetes oder frisches Obst, wie z.B.:
Apfel, Banane (besser frisch und noch unreif), Erdbeere, Trauben, Kakteenfrüchte, Ananas oder Himbeeren
- getrocknete Hagebutte
- wirklich nur äusserst selten sollten einzelne Rosinen angeboten werden, da sie im Verhältnis übermäßig viel Zucker enthalten
- kleinste Mengen Haferflocken werden auch gerne genommen, sind aber recht "gehaltvoll" und daher ebenfalls sparsam anzubieten
- auch sehr fetthaltige Leckerbissen wie Nüsse, Sonnenblumenkerne oder Mandeln sollten besser eine absolute Seltenheit sein
Viele Halter verzichten aus diesen Gründen lieber gänzlich auf Rosinen oder Nüsse, zumal man zahlreiche Alternativen hat.
Speziell z.B. die Sonnenblumenkernen haben hier aber wieder eine gesonderte Betrachtung verdient,
weil sie reich an ungesättigten ("guten") Fettsäuren sind und auch essentielle Fettsäuren (wie Linolensäure) enthalten.
Das macht sie in kleinsten Mengen (z.B. einzeln) zu einer nicht ganz so ungesunden "Fettbombe",
in grösseren Mengen können sie allerdings u.a. Durchfall verursachen.
Die Tiere freuen sich natürlich sehr über solche meist süssen Leckerbissen, trotzdem sollte man mit eben diesen sparsam umgehen
und zuckerarme Varianten bevorzugen, da z.B. auch bei der Verarbeitung der Pellets bereist eine Zuckerart verwendet wird.
Zuviel Zucker stört u.a. den Verdauungstrakt der Tiere und kann Erkrankungen wie z.B. Diabetes provozieren!
Auch mit Proteinen und Fett werden die Tiere über das Basisfutter bereits ausreichend versorgt,
weshalb von zu gehaltvollem Beifutter oder Leckerchen besser Abstand genommen werden sollte.
Ein Zusatzangebot von z.B. Vitaminen in natürlicher Form (Obst, Gemüse) ist grundsätzlich zwar vorteilhaft,
in Anbetracht der Versorgung durch das Basisfutter sollte aber auch keine wahllose Überversorgung
durch das Beifutter und die Leckerchen heraufbeschworen werden.
Aus all diesen Auswahlmöglichkeiten lässt sich ein gesunder Futterplan für die Tiere erstellen,
der zudem viele Abwechslungsmöglichkeiten bietet, da natürlich nicht alles aufeinmal angeboten werden sollte.
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Die hier gemachten Angaben stützen sich auf vorhandene Literatur zur Chinchillahaltung, zur allgemeinen Tierfütterung
sowie zu Arzneipflanzen und erheben keinerlei Anspruch auf alleinige Richtigkeit!
Da all diese Informationen natürlich nicht meine eigenen Ideen sind, sondern von den jeweiligen Autoren schon
vor längerer Zeit niedergeschrieben wurden, hier nun meine Quellenangaben:
WOLF, BICKEL , KRAFT (zw 1959 und 1977) in diversen Artikeln der Chinchillapost sowie ihren Büchern
WENZEL,U.D. (1990): Das Pelztierbuch (hierher auch die Aufteilung in Hauptfutter, Beifutter und Leckerchen)
SCHWEIGART, G. (1995): Chinchilla Heimtier und Patient
SUPPLEMENTE ZUR VORLESUNG TIERERNÄHRUNG der Uni-Leipzig (1998)
EWRINGMANN & GLÖCKNER (2005): Leitsymptome bei Meerschweinchen, Chinchilla und Degu
HOFFMANN, P. : Lexikon der Arzneipflanzen
(ein gewisser Einfluss meiner persönlichen Überzeugungen und meines persönlichen Wissenstandes
wird selbstverständlich nicht geleugnet, ich habe aber versucht so objektiv wie möglich zu bleiben)
VLG,
Christine

